Zwangsstörungen verstehen und wirksam behandeln
„Jeder Zwang ist Gift für die Seele.“ (Ludwig Börne)
„Habe ich den Herd wirklich ausgemacht?“ „Ist die Tür sicher zu?“ Solche Gedanken kennen Sie vielleicht von sich selbst. Das mehrfache Kontrollieren ist zunächst einmal nichts ungewöhnliches, genauso wenig wie kleine Rituale im Alltag, das Zählen von Stufen oder ähnliches.
Von einer Zwangsstörung spricht man, wenn solche Gedanken oder Handlungen sehr häufig auftreten, viel Zeit beanspruchen und zu einer deutlichen Belastung werden. Betroffene erleben ihre Gedanken als quälend, aufdringlich und schwer kontrollierbar. Oft wissen sie sogar, dass ihre Befürchtungen übertrieben oder unlogisch sind und fühlen sich dennoch wie innerlich gezwungen, bestimmte Handlungen auszuführen, um unangenehme Gefühle wie Angst oder Ekel zu reduzieren oder um ein befürchtetes Unglück zu verhindern.
Zwänge können den Alltag, Beruf und Privatleben erheblich einschränken und zu massivem Leidensdruck führen. Sie zählen mit zu den häufigsten psychischen Störungen im Erwachsenenalter. Häufig treten sie gemeinsam mit Ängsten, Depressionen, Essstörungen und Alkoholmissbrauch auf. Der Verlauf einer Zwangserkrankung ist oft chronisch und verschlechtert sich unter emotionalen Belastungssituationen schubweise. Viele Betroffene leiden jahrelang darunter und schämen sich über ihre Symptome zu sprechen.
Was sind Zwangsgedanken?
Zwangsgedanken sind wiederkehrende, unerwünschte oder aufdringliche Gedanken, Bilder oder Impulse. Häufig lösen sie Angst, Ekel, Scham oder Schuldgefühle aus. Besonders belastend ist dabei, dass sie in Bereiche fallen, die dem Betroffenen selbst wichtig sind.
Typische Inhalte von Zwangsgedanken sind:
- Angst vor Keimen oder Verunreinigung
- Befürchtung jemandem etwas anzutun
- Gedanken rund um Ordnung, Symmetrie oder „richtiges“ Verhalten
- Religiöse oder moralische Zweifel
- Übermäßige Sorge um Sicherheit, Gesundheit oder Katastrophen
- Grübelzwang mit der Unfähigkeit eine Entscheidung zu treffen und endlosem Abwägen
Wichtig: das Vorhandensein solcher Gedanken sagt weder etwas über die Persönlichkeit noch die tatsächliche Absicht eines Menschen aus.
Was sind Zwangshandlungen?
Zwangshandlungen sind wiederholte Verhaltensweisen oder innere Rituale, die Betroffene ausführen, um Angst zu reduzieren oder eine befürchtete Folge zu verhindern. Die Erleichterung hält jedoch meist nur kurz, so dass die Rituale immer wieder wiederholt werden müssen.
Häufige Zwangshandlungen sind:
- Waschzwänge
- Kontrollzwänge
- Ordnungszwänge
- Wiederholungs- und Berührungszwänge
- Übermäßige Sorge um Sicherheit, Gesundheit oder Katastrophen
- Zählzwang, Wiederholen von Sätzen oder Gedankengängen
Wann spricht man von einer Zwangsstörung?
Eine Zwangsstörung hat nichts mit kleinen Vorlieben oder Gewohnheiten im Alltag zu tun. Man spricht von einer Zwangsstörung, wenn
- die Gedanken oder Handlungen sehr viel Zeit einnehmen
- Betroffene sie nicht mehr steuern oder gar unterlassen können
- Alltag, Beruf und Beziehungen erheblich darunter leiden
- immer neue Rituale dazukommen oder die Zwänge sich ausweiten
Zwänge werden weder als angenehm, nützlich noch sinnvoll erlebt, Angst, Anspannung oder Ekel sind meist ständig vorhanden und verstärken sich weiter beim Versuch, diese Handlungen zu unterdrücken.
Wie entstehen Zwänge?
Zwänge sind häufig multifaktoriell bedingt und entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, neurobiologischen Faktoren (wie Stoffwechselstörungen im Gehirn) und psychologischen Einflüssen. Auslöser sind oft Stress, traumatische Erlebnisse, Verlusterfahrungen oder frühe Erziehungsmuster, während Perfektionismus die Aufrechterhaltung fördert. Oft stehen hinter Zwängen starke innere Anspannung, Angst, überhöhte Verantwortung, starre innere Regeln, der Wunsch nach Sicherheit und Kontrolle sowie der Versuch, innere Konflikte und unangenehme Gefühle zu vermeiden.
Die kognitive Verhaltenstherapie gilt erwiesenermaßen als wirksamste Behandlungsform bei Zwangsstörungen und wird von Expertengremien und Fachgesellschaften, wie z. B. der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), empfohlen. Abhängig von der Art und Ausprägung der Zwänge kann eine zusätzliche medikamentöse Behandlung sinnvoll sein.

Wie kann ich Sie unterstützen?
In meiner Praxis für Psychotherapie und Hypnose in Rosenheim begleite ich Sie mit einer Kombination aus Hypnosetherapie und Rational-Emotiver Verhaltenstherapie (REVT). Diese Kombination ermöglicht eine effektive Arbeit sowohl auf der bewussten als auch auf der unbewussten Ebene. Die kognitive Verhaltenstherapie und REVT zielen darauf ab, starre, belastende Überzeugungen gezielt zu bearbeiten.
Die Hypnosetherapie geht davon aus, dass Zwänge Bewältigungsmechanismen darstellen, um unangenehme Gefühle zu unterdrücken. Sie zielt somit darauf ab, die tieferliegenden Ursachen oder Auslöser des Zwangserlebens zu ermitteln und unbewältigte Emotionen bewusst zu machen und zu bearbeiten. Hypnose kann zusätzlich helfen, Angst und Anspannung abzubauen, Gefühle von Situationen zu lösen und neue Bewältigungsstrategien zu verankern.
